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fitter
happier
Obwohl es zum Schlafen zu früh und zu warm war, klappte er den Rechner zu. Er sah in seinem hellen Hemd aus wie George Jung, aber sein Blick ins Leere rührte nicht von schweren Gedanken her. Mit dem Finger fuhr er die Tischkante entlang und schwieg. Draußen erhellte ein Blitz den dunkler werdenden Himmel. Wie arrogant es war, den anderen vorzuwerfen, sie würden Probleme konstruieren, damit ihr Leben spannender erschiene. Wie arrogant, den anderen diesen Kampf vorzuwerfen, aber selbst ein völlig langweiliges und belangloses Leben zu führen. Natürlich keimte jetzt der Gedanke auf, etwas ändern zu wollen, zu müssen, nur um gleich wieder zu zerfallen. Er schmunzelte über seine eigene Naivität.
Resigniert ging er nach oben.
Mein persönliches Best-of-Hurricane-2008. Ich entschuldige mich schon mal im vorraus bei allen Fans von The Chemical Brothers, Millencolin, Rise Against, Kaiser Chiefs, Billy Talent, Foo Fighters, The Wombats, Maxïmo Park, Biffy Clyro, The Notwist, Sìgur Rós, Nada Surf et cetera. Das war dieses Jahr aber auch ein gewaltiges Line-Up. Enjoy!
Er betrat mit der letzten Gruppe das Zelt, hatte Glück überhaupt noch Einlass erhalten zu haben. Es herrschte eine nasse, unangenehme Hitze, der Schweiß der tanzenden Menschen stand förmlich in der Luft. Aber das war ihm völlig egal, so egal, wie die Tatsache, dass die Musik überwiegend schon fertig gemixt war und nur noch abgespielt wurde. Endlich konnte er abgehen, ohne, dass irgendwer ihn ansprang oder -rempelte, schubste oder stieß. Sein Gesicht erstarrte zu einem blöden Grinsen, er fing an zu stampfem, rhytmisch den Kopf zu schütteln und riss die Arme nach oben. Die anderen ignorierten ihn und er ignorierte sie, jeder machte sein Ding, feierte in stillem Einverständnis mit der Umgebung seine ganz eigene Party. Eine Ewigkeit verging.
Völlig durchnässt irrte er zum Zelt zurück. Die Begleiter grillten. Dankbar nahm er eine Bratwurst und fiel ins Nichts.
Ihm ist kalt, als er durch die Seitengassen zurück zum Auto spaziert. In den Wohnungen brennen keine Lichter und es ist still. Keine Hupen oder Jubelgesänge werden, wie noch vor ein paar Tagen, nach dem Halbfinale, in diese entlegenen Ecken getragen und die wenigen Menschen, denen er begegnet, tragen die Niederlage statt der Nationalfarben im Gesicht. Niemand unterhält sich. Der Schlusspfiff lies die letzten wüsten Beschimpfungen auf das deutsche Team verstummen und hüllte die Welt in Schweigen. In einem türkischen Imbiss wäscht der Besitzer mit steinerner Miene die Messer und ein Wirt schafft die Gartenstühle zurück ins leergefegte Lokal.
Er steigt ins Auto und dreht die Musik auf. Amy Macdonald singt Footballer’s Wife und in ihrer tiefen, schottischen Stimme schwingt die Sehnsucht mit.
Sie standen am Rand der riesigen Menschenansammlung auf einer Wiese, die schon jetzt, vor dem ersten eigentlichen Festival-Tag, zertrampelt und verdreckt war. Er beobachtete den Begleiter und seine Freundin, wie sie sich unterhielten. Es sah fast so aus als flüsterten sie, aber ihre Mundbewegungen waren viel zu extrem, denn sie mussten gegen den Lärm kämpfen. Vom Fußballspiel konnte er nicht viel erkennen, denn die Leinwand war ein ganzes Stück entfernt.
Als die Deutschen das erste Tor schossen, flogen Bierdosen durch die Luft und der Lärm, das Brüllen, Johlen, Pfeifen, Schreien und Singen, vervielfachte sich zu einem einzigen Laut des Jubels. Er lachte und wusste nicht, ob aus Freude über den Treffer oder aus Erstaunen über die ziellos-euphorische Masse.
Während er in der Kassenschlange stand und in seinen Einkaufswagen starrte, überlegte er, ob man, bei einem genaueren Blick, auch in den anderen Einkaufswägen lesen konnte um was für einen Kunden es sich handelte. Und gleich danach, ob es für die anderen, ihn umgebenden Kunden auch als unhöflich galt, in andere, statt in den eigenen Einkaufswagen zu starren. Er betrachtete seine Auswahl. Bratwürste, Dosenravioli, Toast und Nutella. Camper musste man denken, wenn man diese Auswahl betrachtete und als informierterer Mensch vielleicht sogar Festivalbesucher.
Gelangweilt von dieser weiteren Offensichtlichkeit schob er, absurd synchron mit den anderen, hinter und vor ihm, seinen Einkaufwagen einen knappen Meter weiter zur Kasse.
(… denn chronologisch ist für Anfänger.)
Er sitzt an der Theke, stochert arhytmisch in seinem Kaffee und betrachtet aus den Augenwinkeln die Leinwand. “Hat den Frings doch nicht aufgestellt.” “Wohl auch besser so”, erwidert der King, während er sich die selbstgedrehte Zigarette anzündet. Der Raum füllt sich langsam mit bekannten Gesichtern unbekannter Personen. “Was hast’n getippt?” Er reißt die kleine Plastikdose auf und gießt die Kondensmilch in den Kaffee. “3:1″ - “2:1″ - “Schaunmermal.” Der King drückt seine Zigarette aus und nimmt Bestellungen entgegen. Aus den Boxen ertönt die Nationalhymne, auf der Leinwand wird kollektiv die Hand ans Herz gelegt. Er summt leise mit und nippt, die Temperatur testend, am Becher. “Ja, schaunmermal”, murmelt er, obwohl ihm eigentlich schon keiner mehr zuhört und wendet sich ganz der Fernsehübertragung zu.
“Jeden Freitag erscheinen unzählige neue Alben. Die besten stellen wir Ihnen hier vor.” So, oder so ähnlich, eröffnet DIE WELT an ausgewählten Freitagen ihre Übersicht der Neuerscheinungen auf dem Musikmarkt. In Anbetracht meines irreparabel fantastischen Musikgeschmacks (und der Tatsache, dass das letzte Review im April war) will ich euch meine Rezensionen nicht vorenthalten und daher an ausgewählten Freitagen hier veröffentlichen. Die Alben sind nicht immer gerade erst erschienen, sollten aber im Regelfall noch eine gewisse Aktualität haben.
Here we go:
Es ist leichter über N.E.R.D. zu schreiben, als über die Gruppe zu reden. Nicht, weil die Band eine so unerklärbare Faszination ausübte, dass man im laufenden Gespräch nicht schnell genug die passenden Worte fände, sondern vielmehr, weil mich die Schreibweise sprachlich vor die Wahl zwischen [nɜːd] und [ɛn.iː.ɑr.diː.] stellt.
Wenn ich der Gruppe um Pharrel Williams ein Tag anheften müsste, wäre es vermutlich “Black Guys Sounding Like White Guys Making Black Music” - im positivsten Sinne (und, ja, ich weiß, dass Chad Hugo gar kein Schwarzer ist). Die Erdbeeren, die ich mir vom neuen Album in meine Playlists gepickt habe, klingen in mein Ohren wie ein großartiges Mash-Up aus Gorillaz, Kanye West und Black Eyed Peas. Das ist natürlich hochgradig unfair, weil N.E.R.D. im Falle von Gorillaz zeitgleich, aber vor den beiden anderen, ihre Musik veröffentlichten. Andererseits ist es wahrscheinlich das höchste Lob, dass ich aussprechen kann, weil sie mir ein Genre näherbringen, dass ich sonst meide.
Die erwähnten Perlen namentlich: “Everyone Nose”, “Anti Matter”, “Spaz” und das hervorhebenswert grandiose “Kill Joy”. Enttäuschend hingegen “Yeah You” und “Sooner Or Later”. Ersteres klingt wie Usher, behaupte ich, denn Usher habe ich so erfolgreich verdrängt, dass ich diese Musikabart nur noch erahnen kann. Letzteres hingegen hätte ich im Radio spontan Take That zugeordnet.
Jeweils einen Pro- und einen Contra-Punkt habe ich zum Abschluss noch. Das Intro geht nahtlos in den ersten Track über, womit ich sagen will, dass man die (sicherheitskopierte) MP3 bzw gekaufte Datei mit einem Programm spalten muss, wenn man nicht vorspulen will. Positiv, für mich als Fan von Alternativ-Versionen, ist der auf dem Album vorhandene Remix von “Everyone Nose”.
Es war das erste Spiel dieses Groß-Events Europameisterschaft und er saß hier, statt mit seinen besten Freunden in einer beliebigen Eckkneipe, in einem überdurchschnittlich großen Wohnzimmer auf einem überdurchschnittlich großen Sofa vor einem überdurchschnittlich großem Fernseher. Eigentlich war seine Situation beneidenswert, wäre da nicht die Person, der er all diese Überdurchschnittlichkeit verdankte. Objektiv betrachtet war an den gerade herrschenden Verhältnissen absolut nichts auszusetzen. Sie war jetzt in der Küche und holte Bier. Um Bier hätten er und seine Freunde den Wirt in der Eckkneipe anbetteln müssen. Vermutlich taten seine Freunde das sogar gerade, den Wirt anbetteln. “Hey, du musst kommen. Das Spiel fängt an!”
Da war sie und sie sah fantastisch aus. Sie lächelte ein gleichzeitig großartiges und grausames Lächeln, denn jedesmal, wenn sie ihn so anstrahlte, hatte er das Gefühl, dass seine Unsicherheit ihm ins Gesicht geschrieben stand. Dabei gab es gar keinen Grund unsicher zu sein. Arroganz und Überheblichkeit wären viel angebrachter, schließlich hatte sie ihn ausgewählt und eingeladen. Er hatte ein Date mit dem schönsten Mädchen der gesamten Klasse. Er war überhaupt der erste Junge in der Klasse, der ein Date hatte. Und sie interessierte sich für Fußball. Und sie brachte ihm Bier. “Meine Fresse, soll Miro das Ding doch selber machen, wenn Gomez zu blöd dazu is’!”
Jetzt lächelte sie wieder. Er war sich gar nicht so sicher, ob sie sich wirklich für Fußball interessierte. Sie beobachete nur ihn, als wäre er ein Enterich, der sich auf donaldesque Weise über ein belangloses Fusballspiel aufregte. Er lehnte sich zurück und nippte lässig und betont ruhig an seinem Bier. Das Bier war unglaublich bitter. Wahrscheinlich hatte sie eine Flasche ihrer Eltern genommen. Zusammen mit seinen Freunden mussten auch immer die bittersten Sorten her. Alles andere war Mädchenbier und galt als weich. Sie trank auch gar kein Bier, sie trank Wasser. Aber das hatte nichts zu bedeuten. Wäre er paranoid, hätte er sich jetzt eingeredet, dass sie ihn abfüllen wollte, aber das war absurd. Überhaupt war Bier wohl das falsche Getränk um jemanden abzufüllen. Als nächstes würde er Wasser trinken, es war ja auch ganz schön warm.
“Hat er ja schön versenkt, der Poldi.” - “Ja, das sah gut aus.” - “Jetzt in der zweiten Halbzeit noch einen rein machen und dann können wir das ganz entspannt heim bringen.” - “Ja, das wär’ klasse.” Damit wären die Smalltalk-Themen auch schon erschöpft. Jetzt über die Schule zu reden, wäre ja auch irgendwie unpassend. Andererseits war diese Stille noch viel unerträglicher, als irgendein belangloser Plausch. Das Spiel müsste auch gleich weitergehen. In acht Minuten. “Ich muss kurz auf Klo.” Super Formulierung.
Er hatte tatsächlich die vollen acht Minuten auf Toilette verbracht und damit bestimmt einen fantastischen Eindruck hinterlassen. Aber für den Fall, dass es sie störte, verbarg sie das gut. Sie saß in ihrem Ohrensessel und lächelte ihn an. Ein Glück, sitzt sie im Ohrensessel, fuhr es ihm plötzlich durch den Kopf. Sonst müsste er noch irgendwie körperlich mit ihr interagieren. Er war ja jetzt schon stocksteif und panisch, Händchenhalten würde da nur die letzte Aufmerksamkeit vom Spiel wenden. “Ja, man! Mit’m Außenriss, ey, traumhaft. Verdammt, wie geil!”
Den Sieg hatten sie in der Tasche. Nur noch drei Minuten zu spielen. Er hatte sogar exakt dieses Ergebnis getippt. Daheim würde er das erstmal allen unter die Nase reiben. Er fragte sich, ob sie noch irgendwas für nach dem Spiel geplant hatte. Überhaupt hatte er keine Ahnung, was sie jetzt von ihm erwartete. Er konnte sich ja auch nicht einfach verabschieden. Irgendein origineller Spruch war jetzt nötig, sonst würde der Schlusspfiff direkt wieder in einer peinlichen Pause münden und auch, wenn sich Panik und Chaos in seinem Kopf ohnehin nicht mehr vollständig verhindern ließen, eine zweite peinliche Pause durfte er nicht zulassen. Schlusspfiff. “Jaaa.” Die Betonung zwischen Seufzer und dem Schlusssatz eines Telefongesprächs.
Sie lächelte, stand auf und räumte die Gläser weg. Schweißgebadet saß er im Sofa. Seine Augen flatterten zwischen Kücheneingang, Fernseher und Haustür. Sie kam wieder.
“Was hälst du davon, wenn wir auf mein Zimmer hochgehen und den Sieg ein bisschen feiern.”
Sie zwinkerte ihm zu.
Sein Kopf platzte.
“Sommermärchen, Teil 2″ titelte die Zeitung und während er geistesabwesend zum Loblied auf die geschlagene Demokraten-Amazone vorblätterte, fuhr die dritte Familienkutsche mit Deutschlandwimpel an seinem Fenster vorrüber. Er glaubte nicht an ein erneute Welle der Euphorie. Da konnten sich die Väter noch so bemüht Nationalstolz ans Auto heften. Milchkrieg und Schwanenkampf domierten nach wie vor die Suppermarkt-Kassen und nur die Printmedien druckten pflichtbewusst Statistiken, Prognosen und Interviews in ihren zahlreichen EM-Sonderbeilagen. Ein junges Mädchen antwortete auf die Frage, warum ganz Deutschland bald wieder vor der Mattscheibe hinge, gar: “Weil dann endlich das Finale von Dschörmenies Next Topmodel kommt!”.
Nein, kein zweites Sommermärchen, da war er sich sicher. Er selbst hatte gar nicht vor, sich dem möglichen Freudentaumel zu verschließen. Im kleinen Kreis wollte er alle Spiele mit deutscher Beteiligung anschauen. Nur dieses Glücksgefühl, dieser Selbstläufer, der der WM vorrausging, stellte sich noch nicht ein. Dieses Jahr hatte er eher den Eindruck, dass einige wenige den Spaß planen oder sich einreden wollten.
Das hatte noch nie funktioniert. Er hatte auch gar keine Zeit für solche erwiesene Zeitverschwendung. Schließlich musste er den Tippzettel für die Vorrunde noch ausgefüllen.
Harald Schmidt:
»Alice Schwarzer hat als Autorin die Fähigkeit, die Fakten als Startrampe zu benutzen und sich dann hinauftragen zu lassen zum großen Flug um der gerechten Sache willen.«
Laudatio von Harald Schmidt an Börne-Preisträgerin Alice Schwarzer, 05. Mai 2008
Alice Schwarzer:
»Es kann in diesen postkolonialistischen Zeiten schließlich keinem Menschen, der nicht entschlossen ist wegzugucken, entgehen, dass einst ehrenwerte Begriffe wie Menschenrechte oder Demokratie leider längst ihre Unschuld verloren haben. In ihrem Namen betreiben die angeblichen Retter immer öfter nichts anderes als Interventions- und Interessenpolitik.
Wenn also Myanmar nach der Naturkatastrophe jetzt nicht auch noch Opfer einer politischen Katastrophe werden soll, misstrauen nicht nur die Generäle zu Recht “der Großmut und dem Pflichtgefühl der internationalen Gemeinschaft”, wie sie ironisch erklärten. Sie verbitten sich die politische Instrumentalisierung der humanitären Hilfe«
“Warum Burma echte Freunde braucht” von Alice Schwarzer, FAZ, 31. Mai 2008
Matthias Matussek:
»Die Junta beschützt das Volk vor neuen Kolonialherren - was für eine Pointe! So ähnlich funktioniert sie wahrscheinlich auch in Nordkorea. Wenn nun also englischsprechende Leute mit Rot-Kreuzbinden am Ärmel auftauchen, wissen die Burmesen: “Der Ex-Kolonialherr liegt schon lange auf der Lauer.”«
“Alice im Wunderland” von Matthias Matussek, SpOn, 01. Juni 2008
Eckhard Fuhr:
»Gegen den Strich denken fördert nicht immer die Aufklärung, vor allem wenn der Denkende in seiner Hybris meint, die Fakten ignorieren zu können. Sie habe doch alles mit eigenen Augen gesehen, wird Alice Schwarzer argumentieren. Doch das ist ja das Problem. Sie sieht, was sie will.«
“Schwarzer und Matussek” von Eckhard Fuhr, DIE WELT, 03. Juni 2008
Misscaro machte mich auf den neuen 2.0-Service “Muxtape” aufmerksam, den ich sogleich austesten musste: Tape 06/2008: IN THE CAR.
Jeden Sommer kuriere ich mindestens ein-, in schlechten Jahren auch zweimal, einen Schnupfen aus. So auch in diesen Tagen. Bei knappen 30°C im Schatten sitze ich mit Laptop, Zeitung und Wasserflasche im Garten und herze alle fünf Minuten den grauen halben Quadratmeter Stoff, den ich letzten Sommer bei der Bundeswehr in dreifacher Ausführung als Taschentuch bekam. Die Ursache für die frühen Hitzewellen waren wohl auch Grund für einen frühen Schnupfen. Das ist nicht weiter schlimm, denn die Europameisterschaft hat noch nicht angefangen und ich befinde mich auch nicht zeltend auf einem Festival-Gelände. Ich hoffe nur, es ist ein gutes Jahr.
Der Krankheitsverlauf eines Sommerschnupfens gleicht vermutlich dem jedes anderen Schnupfens. Am ersten Tag wundert man sich beim Aufstehen über ein leicht kloßiges Schlucken und bemerkt, dass die Nase nicht die übliche Menge Luft ins Körperinnere transportiert, was am folgenden Tag bereits in gelegentlichem Schnäuzen resultiert. Am Ende von Tag 3 liegt man dann das erste Mal mit Schmerzen in den Nasennebenhöhlen vor einer beliebigen amerikanischen TV-Serie im Bett und wutentbrannte, aggressive Nutzung von Papiertaschentüchern wird sogleich mit Druck im Mittelohr und wundgeriebener Nase vergolten.
Vierter, fünfter und sechster Tag bilden den eigentlichen Höhepunkt. Die körperliche Mattheit erzwingt die Bindung an Bett oder zumindest Gartenstühle. Man hat gegenüber der Krankheit resigniert, garniert Frühstück und Abendessen mit einer Aspirin und sitzt es aus. Ausgehen ist natürlich tabu. Schon Walter Serner ermahnte 1927 in seinem Handbrevier, dass man krank stets einen schlechten Eindruck hinterlässt.
Weitere drei Tage klingt der Schnupfen dann aus. Man plant akribisch die verlorene Zeit aufzuholen und nimmt sich fest vor sportlich aktiv zu werden und auf gesunde Ernährung zu achten, sodass im nächsten Sommer eine Armee der Abwehrkräfte alles im Keim erstickt.
Man darf sich den Spaß nur nicht verderben lassen. Und so versüße ich mir den Tag mit ausgiebiger Zeitungslektüre bei Amy Macdonald-Beschallung, tassenweise, aufgrund der tauben Geschmacksnerven noch stärker gesüßtem, Vanille-Cappuccino und zu später Stunde kleinen Mahlzeiten und Miami Vice-Episoden, die die schlaflosen Nächte erträglich machen.
Wenn man im Kino eine Eintrittskarte vorbestellt, diese aber nicht per Lastschriftverfahren sogleich auch bezahlt, muss man eine halbe Stunde vor Filmbeginn an der Kasse sein, denn sonst verfällt die Vorbestellung. Den nun zwangsweise vorhandenen Zeitüberschuss verbringt man, ganz nach persönlicher Vorliebe, entweder rauchend vor der Eingangshalle oder, wie Ausstellungsstücke präsentiert, sitzend auf den unbequemen Polsterbänken neben dem Popcornverkauf. Dabei kann man sich gegenseitig gestehen, dass man Sex and the City immer geschaut hat und ganz großartig fand.
Der eigentliche Film war unterhaltsam und stilsicher in Szene gesetzt. Besonders gefallen konnten die vielen Anspielungen auf die drei Vorgänger und das Amerika Ende der 50er Jahre.
Wenn man lang genug sucht, findet man im beschissenen Fernsehprogramm doch noch einige Perlen. Nur für den Fall, dass jemand nächste Woche nichts Besseres zu tun hat.
Montag
Dienstag
Mittwoch
Samstag
Sonntag
In keiner Weise repräsentativ, aber mit Sicherheit geschmackvoller als die Saturn-Verkaufstatistiken oder “Total Request Live” im untoten Musikfernsehen, werfe ich euch meine derzeitigen Playlist-Lieblinge an den Kopf.
Wenn man lang genug sucht, findet man im beschissenen Fernsehprogramm doch noch einige Perlen. Nur für den Fall, dass jemand nächste Woche nichts Besseres zu tun hat.
Montag
Dienstag
Donnerstag
Freitag
Samstag
Sonntag
Mit fortschreitender Lebensdauer sollte jeder Mensch zunehmend mehr geistige Reife erlangen. Ich meine nicht faktisches Wissen oder körperliche Merkmale, sondern ein höheres Verständnis oder Lebenserfahrung. Ich habe darüber nachgedacht, wann sich mein Blick auf die Welt das letzte Mal grundlegend verändert hat. Ich habe überlegt, wie lange ich schon misanthropisch grummelnd an der Menscheit verzweifle, keinen tieferen Sinn in meiner Existenz sehe, als eine alberne, selbstzerstörerische Tragikomödie aufzuführen und verbittert über die Ironie meiner Gesellschaftsparodie zu schmunzeln, die keiner außer mir zu sehen scheint. Ich kann mich nicht erinnern.
Und das, so dämmert es mir, könnte ein Problem darstellen.
Wenn man lang genug sucht, findet man im beschissenen Fernsehprogramm doch noch einige Perlen. Nur für den Fall, dass jemand nächste Woche nichts Besseres zu tun hat. (more…)