HG: “ABC-Alarm!!! … Bewernick, was machen Sie da!? Bewernick, Sie sind verreckt!!”
Bewernick: “Ach, schade …”
Ein Drittel der Grundausbildung ist überstanden, zwei weitere Drittel liegen vor mir. Ab Montag will, soll, muss und hoffentlich kann ich wieder an den Geländeübungen teilnehmen, was mir die vergangenen fünf Tage aufgrund meines verstauchten Knöchels nicht möglich war. Glücklicherweise dominierte diese Woche ohnehin die Sanitätsausbildung.
“Wenn die Blutung nicht stoppt, müssen Sie abdrücken bis der Arzt kommt.”
Damals in der siebten Klasse hätten wir so eine Aussage mit einem lachenden “DD!” kommentiert. Der Erste Hilfe-Unterricht der Bundeswehr war wesentlich ergiebiger als die fünf Stunden, welche ich kurz vor meiner theoretischen Führerscheinprüfung absolvierte und ich bin mir sicher, dass ich diesmal auch in fünf Jahren noch in der Lage bin Opfer eines Unfalls zu versorgen. Den abschließenden Test sollte ich problemlos gemeistert haben, so dass ich nächste Woche zum zweiten Mal als Ersthelfer ausgezeichnet werde.
“Ok ich hole dich mit einem schwarzen golf mama”
Meine Familie testet derzeit einen Golf Plus, welcher in einer Woche die zweite Parallele zu meiner Fahrschulzeit bildet. Ein wirklich sehr schönes Auto, obwohl das erste Kfz, mit dem anno 2005 meine Runden drehen durfte, auf den Zusatz Plus verzichtete, so war es doch auch ein Diesel.
Jetzt zurück in meinem Bunker hab’ ich wieder nichts gelernt. Also alles wie gehabt, wenn man sich nur noch selbst erwärmt. Und ich lecke meine Wunden, sie sind mein größtes Kapital. Am Tag an dem sie verschwinden, werde ich egal. Dann tut es endlich nicht mehr weh, wenn ich einfach nur so dasteh’.
(Muff Potter – Gestern an der Front)
Mein linkes Sprunggelenk ist verstaucht, an meiner rechten Ferse entwickelt sich eine Blase zu einer offenen Wunde, meine Beine sind mit blauen Flecken bestückt und im oberen Teil meines Körpers wächst, vermutlich aufgrund des vitaminfreien Essens in der Truppenküche, schon wieder eine Erkältung.
Im Rahmen meiner Grundausbildung bei der Bundeswehr schoss ich Freitag mit scharfer tödlicher Munition auf das 250 Meter entfernte Bild eines Menschen ohne Gesicht und traf.
R.I.P. Ascension!
Im Laufe der nahezu drei Jahre waren es sicher 100-150 unfassbar tolle Menschen, die sich zumindest zeitweise Mitglied dieser Gilde nannten und ich bin stolz bis Anfang dieses Jahres dazugehört zu haben. Diese Gemeinschaft war einzigartig. Nun geht es aus vielerlei Gründen zu Ende.
Ich will euch nie vergessen!
Man kann die Grundausbildung nicht in Worte fassen, denn die erlittenen Schmerzen werden schnell verdrängt. Was tatsächlich in der Erinnerung bleibt, wirkt banal. Es ist, auch wenn solche Aussagen selbstverständlich immer relativ sind, extrem hart. Man wird an Leistungsgrenzen herangeführt. Vielleicht kann ich mich rückblickend besser auslassen. Im Moment möchte ich einfach nicht daran denken.
I don’t know how else to put this
It’s taken me so long to do this
I’m falling asleep and I can’t see straight
My muscles feel like a melee
My body’s curled in a U-shape
I put on my best but I’m still afraid
Propped up by lies and promises
Saving my place as life forgets
Maybe it’s time I saw the world
I’m only here for a while
But patience is not my style
And I’m so tired that I gotta go
Where am I supposed to hide now?
What am I suppose to do?
Did you really think I wouldn’t see this through
Tell me I should stick around for you
Tell me I could have it all
I’m still too tired to care and I gotta go
I get to go home in one week
But I leaving home in three weeks
They throw me a bone just to pick me dry
I’m following suit and directions
I crawl up inside for protection
I’m told what to do and I don’t know why
I’m over existing in limbo
I’m over the myths and placebos
I don’t really mind if I just fade away
I’m ready to live with my family
I’m ready to die in obscurity
Cause I’m so tired that I gotta go
Where am I supposed to hide now?
What am I suppose to do?
You still don’t think I’m going see this through
Tell me I’m a part of history
Tell me I can have it all
I’m still to tired to care and I gotta go
(Stone Sour – Zzyxz Rd.)
Die Verabschiedungszeremonie mit anschließender Zeugnisübergabe in der renovierten Aula des TGGymnasiums war großartig. Die Musik und Reden waren toll. Ebenfalls gut war der Abiball im Zollhaus. Dank der vielen zugeladenen Gäste aus alten Schultagen, welche einen aber auf den letzten Schritten nicht mehr begleiteten, und natürlich durch die nahezu vollständige Anwesenheit meines Abiturjahrgangs konnte man die Schulzeit noch einmal Revue passieren lassen. Meine organisierenden Mitschüler haben Fantastisches geleistet. Danke.
Morgen trete ich meinen neunmonatigen Dienst bei der Bundeswehr an.
Neue Einträge gibt es also zunächst nur am Wochenende.