THE DARK KNIGHT gehört nicht zu den besten Filmen aller Zeiten. Er ist nur ein neuer Genre-Maßstab.
Es gibt mittlerweile nicht mehr viele Gründe ins Kino zu gehen. Independent-Filme oder Originalton-Fassungen werden in kleineren Lichtspielhäusern, die sich nur in Groß- und Universitätsstädten über Wasser halten können, gezeigt, politische Dramen, ausgeklügelte Thriller und originelle Biopics kann man sich besser ungestört daheim ansehen und nicht zuletzt kostet ein Abend im Cinestar, -plex oder -maxX oft mehr als der Süßigkeitenvorrat für einen Monat.
Ein Film muss zweierlei erfüllen um heute einen Kinobesuch zu rechtfertigen: Es ist vorhersehbar, dass der Film nur für den Zeitraum von zwei bis vier Monaten ein Gesprächsthema ist und eine große Leinwand sowie bombastischer Dolby-Surround-Sound müssen einen wesentlichen Teil zur Atmosphäre beitragen.
“The Dark Knight” erfüllt beide Bedingungen, es handelt sich schließlich nur um einen weiteren Film über einen weiteren Superhelden. Zumal “The Dark Knight” ja dank dem Tod von Heath Ledger in den Medien schon genug breit getreten wurde und jeder, obwohl Warner Bros. Pictures dankenswerter Weise nicht damit warb, noch ein letztes Mal den mit “Brokeback Mountain” Oscar-Nominierten sehen will. (Es ist nicht sein letzter Film, denn mit “The Imaginarium of Doctor Parnassus” soll 2009 noch ein weiterer mit ihm in der Hauptrolle anlaufen.)
Viele Kritiken zu “The Dark Knight” sind sich sicher, dass Ledger für seine schauspielerische Leistung postum den Oscar bekommt, den er bei der Verleihung 2006 an Philip Seymour Hoffman verlor. Und man will es gar nicht bestreiten, die Präsentation des Joker macht ihn zu einem der besten Gegenspieler des modernen Popcorn-Kinos und wird hoffentlich zu einem Umdenken bei zukünftigen Kassenschlagern führen. Ledger geht fließend von alberner Unbeholfenheit eines Charlie Chaplin oder Jack Sparrow in psychophatische Mordlust über. Man nimmt Ledger den Wahnsinn und die Unberechenbarkeit so sehr ab, dass man sich fast fragt, warum all seine Fallen tatsächlich zuschnappen, all seine Psycho-Spielchen aufgehen. In einigen Artikeln wurde Ledgers Joker mit Dr. Mabuse verglichen. Die Parallelen zwischen beiden Schurken existieren allerdings bereits seit der Comic-Vorlage, genau wie man sowohl Gotham City als auch die Bücher von Norbert Jacques als Kritik an herrschenden Verhältnissen sehen kann.
Der Film betont gerne, dass Joker ohne seinen Gegenspieler, Batman, gar keinen Existenzgrund hätte. Dieser bekommt in “The Dark Knight” Unterstützung von Staatsanwalt Harvey Dent und beide müssen im Film erkennen, dass ihre Absichten und Ideale nicht bedingungslos mit der Realität vereinbar sind. Hier hat der Film seine ersten Schwachpunkte.
Christian Bales Spiel ist im Gesamteindruck in jedem Fall gut, aber er schafft es nicht, einem die Zweifel Batmans richtig nahe zu bringen. Seine besten Szenen hat er als maskierter Held und natürlich in seiner Paraderolle als desinteressierter Wirtschafts-Playboy, mit der er 2000 in “American Psycho” seinen zweiten Durchbruch feiern konnte. Wenn Bruce Wayne allerdings im Keller über seinen Aufzeichnungen brütet und überlegt, wie er den Joker besiegen kann, spielt Sir Michael Caine, als Ratschläge gebender Butler Alfred, Bale immer wieder an die Wand.
Spoiler! Die Entwicklung, die Harvey Dent durchläuft, scheitert hingegen nicht an der Leistung von Aaron Eckhart, sondern am Drehbuch. Es vergeht einfach viel zu wenig Zeit zwischen seinem einschneidenden Schicksalsschlag und den darauf folgenden, bedingungslosen Racheakten. Seine Uneinsichtigkeit am Ende des Film wirkt nicht mehr glaubhaft. Spoiler!
Trotz dieser beiden Kritikpunkte schafft Christopher Nolan den ersten Superhelden-Film, den man uneingeschränkt empfehlen kann. “The Dark Knight” ist nicht eine weitere belanglose Präsentation von Effekt-Spielereien, sondern vereint opulente Action-Szenen mit einer durchdachten Hintergrundgeschichte. Nur ihn in die Riege der “besten Filme aller Zeiten” aufzunehmen, geht doch etwas zu weit.
