Letzter Tag des Jahres 2008
“Hi. Zwei Döner, bitte.”
– “Darf alles drauf?”
– “Ja. Mit Yoghurt-Soße, bitte. Und zum Mitnehmen.”
– “Das hab’ ich mir schon gedacht, dass die nicht beide für dich sind.”
Die sind schon beide für mich, denkt er sich, während er wartet. Teurer ist der Imbiss an der Ecke geworden, ganze zehn Prozent, nur der Hamburger-Preis ist gleich geblieben.
Der Dezember war ruhig. Nicht tatsächlich ruhig, die Zeitungen und das Internet immer noch voll von der Finanzkrise, besonders seit Köhler heuchlerisch noch einen draufsetzte, und Israel bombadiert den Gaza-Streifen. Zwei, drei gute Parties gab’s auch und er hat viele alte Bekannte getroffen, die Familie besucht, beschenkt und sich beschenken lassen.
Aber in seinem Kopf war’s sehr, sehr ruhig. Den Grund dafür kann er nicht wirklich benennen.
2008 erscheint im Rückblick unwichtig und kurz, obwohl weltpolitisch, innenpolitisch viel passierte und sein ganzes Leben sich in wesentlichen Punkten änderte, inklusive Ende des Wehrdienstes, Beginn des Studium und Umzug in eine neue Stadt.
Man könnte bestimmt ein bisschen was ändern im nächsten Jahr, optimieren oder sogar beginnen. Konkrete “Gute Vorsätze” hat er nicht, seit Jahren nicht. Mehrere Pullover, eine Teekanne und eine Wärmflasche will er sich zulegen, denn der Winter kam kalt und überraschend, wenn eine Jahreszeit denn überraschend kommen kann.
Und leben. Weiterleben.
(… des Jahres 2008
Album: The Kills – Midnight Boom
Song: Kettcar – Graceland
Buch: Charlotte Roche – Feuchtgebiete
Film: Sweeney Todd
Serie: How I Met Your Mother )