Zitate — SE am 26.08.2009 um 22:03 Uhr. Kommentare (0).

[Sie] verhandelten nicht weniger und nicht mehr als die Position und die Rolle des Autors. Wer ist das, der da schreibt? Und ist das von ihm Geschriebene tatsächlich Ausdruck seiner Persönlichkeit. Der “Tod des Autors” ist ein von Roland Barthes eingeführtes Konzept, das die klassische Idee der völligen Kontrolle des Schriftstellers über seine eigene Textproduktion in Zweifel zieht.

Spex 09/09

17. August 2009

Graceland — SE am 17.08.2009 um 20:58 Uhr. Kommentare (3).

Jonas zieht die Tür zum Graceland auf, “n’Morgen!”
- “Morgen.”
“So früh und schon so warm. Die Luft wirkt gar nicht frisch, egal wie tief man einatmet.”
- “Ja, gestern auch schon.”
“Machst mir ‘nen Frank?”
- “Nee, muss noch fix los. Muss noch fix einkaufen. Hab’ das vorgestern nicht mehr geschafft. Nichts Essbares mehr hier. Gunther macht dir Kaffee.”
“Aber…”
Der King schlägt die Tür zum Graceland zu.
“… Fußball. Ich hab’ den Sportteil dabei.”

Gunther arbeitet im Graceland seit der King den Laden vor Ewigkeiten übernahm, ist aber eine eher unauffällige Gestalt. Jonas überlegt, ob er in den letzten sieben Jahren je ein Wort mit ihm wechselte. Der kleine, stark blondierte Kerl wurde wahrscheinlich vom Vormieter vergessen und behalten, weil er niemanden stört.

Nur einmal, circa Anfang 2004, erregte Gunther Aufmerksamkeit, als er dieser Frau, die offensichtlich umziehen wollte, seine Liebe gestand. Die Szene war recht ergreifend und die Frau zog nicht um – Jonas sieht sie manchmal im Graceland – aber aus ihr und Gunther wurde dennoch nichts. Jonas könnte sogar der letzte sein, der sich an diese Geschichte erinnert, denn Gunther ist eine eher unauffällige Gestalt und es fällt leicht, ihn zu vergessen.

- “Ihr Kaffee.”
“Danke, Gunther. Sag’ mal, was ist eigentlich aus dir und dieser Frau geworden? Ich seh’ sie manchmal noch hier. Wie war noch gleich ihr Name?”

Gunther stoppt mitten in der Bewegung und starrt ihn an. Sein Blick lässt sich nicht lesen, kein Erstaunen, keine Wut, nur einfaches Starren.

- “So schmeichelnd ich es finde, dass mich hier tatsächlich jemand wahrnimmt: Ich ziehe es vor, nicht darüber zu reden.”

Jonas zuckt mit den Schultern, schlägt die Zeitung auf und vertieft sich ins Feuilleton.

“Sarah Chalke ist schwanger. Wusste gar nicht, dass die vergeben ist. Frag’ mich, wer der Vater ist, steht hier nämlich nicht. Aber ich fand sie eh nur in Scrubs heiß, in How I Met Your Mother, ich weiß nicht. Oh, aber wer wirklich heiß ist, diese Tatort-Kriminaltechnikerin, Miranda Leonhardt. Hab’ ich letztens im Playboy gesehen. Natürlich nur im Vorbeigehen. Aber diese Playboy-Bilder sind ja eh alle aufpoliert.”

Er hasst Smalltalk mit Unbekannten und fragt sich, wo der King bleibt. Die Bundesliga hatte einige spannende Begegnungen.

“Kann ich verstehen, dass dich das nicht interessiert. Bis zu der Sache mit dem Liebesgeständnis hielten wir dich alle für asexuell.”

Die Aussage war dumm und wieder dieses Starren. Jonas flüchtet sich in einen Artikel über David Foster Wallace. Als der Kaffee abgekühlt ist, stürzt er ihn, ohne Zucker, ohne Milch, hinunter, legt die Münzen passend auf die Theke und verlässt hastig das Graceland.

[Worte Anderer]

Zitate — SE am 11.08.2009 um 19:43 Uhr. Kommentare (0).

Die Ministerin [Ursula von der Leyen] forderte unlängst gesellschaftliche Diskussionen darüber, wie Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß gehalten werden könnten.

DIE WELT, 11. August 2009

Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde sind Güter von denen man schnell zu viel haben kann und die daher im richtigen Maß gehalten werden sollten.

| Sven Erlenborn. - Wordpress - Barecity Theme