LOST
(Kann Spuren von Spoilern enthalten.)
(Der Text wurde nicht Korrektur gelesen. Es kann sein, dass ganze Sätze keinen Sinn ergeben.)
(Die Einleitung wesentlich länger als die Kernaussage. Wie gewohnt.)
(Der Autor hat 48 Serien gesehen, davon 20 vollständig oder bis zur aktuellsten Episode. Die Zahl angetesteter Serien lässt sich nicht mehr genau bestimmen, dürfte aber zwischen 130 bis 150 liegen.)
Man kann sich beschweren, dass ich Lost nicht auf die Weise geschaut habe, die den Fans als die vermeintlich richtige erscheint: Über sechs Jahre hinweg, Episode für Episode und mit Diskussionen, welche Bibliotheken füllen könnte. Das liegt daran, dass ich kein großer Fan von Cliffhanger-fixierten Mysteryserien bin. Aus dem Grund habe ich auch erst vier Episoden Flash Forward gesehen. Serien müssen ein Ende haben und heutzutage, also in Zeiten, in denen der Martk groß ist und einzig an den Quoten und Einnahmen orientiert sein muss, kann es immer passieren, dass eine Serie einfach abgesägt wird. Obwohl Heroes nach der ersten Staffel so stark nachgelassen hat, hasse ich die Verantwortlichen für das Einstellen, und Subway bin ich einfach nur ewig dankbar, dass sie Chuck gerettet haben. Es gibt nichts Schlimmeres als unabgeschlossene Serien. Außer Serienfinale, die einem völlig im Regen stehen lassen, mit der furchtbaren Gewissheit, dass es trotzdem zu Ende ist.
Selbst gelungene Serienfinale lassen einen bereits mit einem Kloß im Hals zurück. Paradebeispiele sind hier Oz und Friends. Beide Serien hatten kaum schwache Episoden und wurden konsequent zu Ende erzählt. Natürlich war man trotzdem den Tränen nahe, denn man sollte sich von einem geliebten Cast verabschieden, zu dem man, das klingt absurd, aber einige Serienjunkies werden verstehen, was ich meine, eine beinahe freundschaftliche Beziehung führte.
Mein Gegenbeispiel, und da scheiden sich die Geister, ist Sopranos. ich war völlig geschockt. Es ist keinesfalls so, dass Sopranos in seiner Erzählweise inkonsequent wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Sopranos hat ein, für das Mafiagenre typisches, sehr langsames Erzähltempo. Genau wie bei den Filmen ist der Spannungsbogen gestreckt, flach und unglaublich subtil. Das Mafiagenre erzählt keine Thriller, dieses Genre erzählt Chroniken und letztendlich gibt es eine Gewalttat, die das Ende einer Ära verdeutlicht, und trotzdem bleibt alles offen. Bei Filmen ist das völlig in Ordnung, bei Serien ist es brutal.
Heute, in den nach mitteleuropäischer Zeit frühen Morgenstunden, endete dann Lost, nach Meinung der vielen Fans die beste Serie des letzten Jahrzehnts. Oder aber, wie es viele Kritiker sehen, die größte Verarsche, die je gesendet wurde. Beides ist falsch, denn es hängt von dem eigenen Verhalten gegenüber Serien ab. Grob kann man die Zuschauer in drei Lager einteilen.
Die erste Gruppe ist dabei bei Lost irrelevant: Die Krimi-Gucker. Die Fans von CSI-Abklatsch 27. Die Zuschauer, die House zu unglaublichem Erfolg verholfen haben, obwohl die Stärke von House ja gar nicht im wöchentlich neuen Fall liegt, sondern in der Hintergrundstory. Insbesondere hier in Deutschland bilden sie meines Wissens den wichtigste Zielgruppe, weswegen deutsche Serien nie über Tatort und Cobra 11 hinaus gekommen sind. Einen symphatischen Ermittler oder ein Ermittlerteam wie Thiel und Boerne, Gerkhan und Kranich oder Monk, ein paar markige Sprüche zum Schmunzeln, jede Woche ein neues Rätsel, welches man danach vergessen kann und der Serienabend ist bereits gerettet.
Die beiden anderen Gruppen stellen eine längerfristige Bindung zu Serien her. Die auf den ersten Blick wichtigere Gruppe für Lost, sind die Big Plot-Gucker, für die es nur eigentlich nur sehr wenige Serien gibt. Das ist eigentlich nicht schlimm, denn Big Plot-Guckern reicht eine Serie, in die sie sich völlig hineinsteigern können. Mir fallen hier auch nur wenige Beispiele ein. Da wären Lost, Heroes, Flash Forward, Jericho, 24,eventuell Alias und Smallville. Eine Abgrenzung zur dritten Gruppe fällt auch relativ schwer, denn bei den meisten Serien ist der Big Plot nicht das große Mysterium, das es aufzulösen gilt, sondern zwischenmenschlich und fällt damit automatisch der letzten Zielgruppe in die Hände.
Diese nenne ich, was im ersten Moment abwertend klingt, Soap-Gucker. Soap-Gucker können sich generell für alles begeistern, denn Drama gibt es wirklich in ausnahmslos jeder Serie, von Star Trek bis zu Sex and the City. Die meisten Frauen fallen in diesen Stereotyp, deswegen sind die Beispiele so naheliegend: Desperate Housewives, Friends, Grey’s Anatomy, Gossip Girl, Greek, Gilmore Girls. Im Prinzip verfolgen auch einen Big Plot, allerdings einen völlig anderen. Der Hatch, das Monster und die Dharma Initiative können einem mal völlig am Arsch vorbeigehen, wenn doch bitte, bitte Claire und Charlie sich wieder verstehen. Einfacher ausgedrückt: Soap-Guckern hat das Lost-Finale mit großer Wahrscheinlichkeit gefallen.
Es ist tatsächlich so, dass die Lost-Macher sich in einer so extravaganten, mit Mysterien überwucherten Story verwickelt haben, dass auch mir kein sinnvolles Ende mehr eingefallen wäre. Zumal die sechste Staffel meiner Meinung nach alles nur noch schlimmer gemacht hat. Die Hintergrundgeschichten von Richard, Jakob und dem Black Smoke, das Tempelinnere und der Zweck der Gestrandeten auf der Insel wurden zwar aufgedeckt, haben die großen Fragen nicht beantwortet und gleichzeitig noch neue Fragen aufgedeckt. Der kleine Teil Big Plot-Gucker in mir ist maßlos enttäuscht und ist es bereits seit Lockes Tod.
Der Soap-Gucker ist zwar nicht zufrieden, aber glücklich.
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